Das Glück ist ein Vogerl?

Franz erzählt von seinem langen Leben. 88 Jahre geprägt von Entbehrung, harter Arbeit. Wir haben nichts gehabt. Im Alter kommen Erinnerungen, die ihn schlecht schlafen lassen. In der Nacht holen ihn die Gespenster der Vergangenheit ein. Bilder des Krieges. Wenn er mühsam davon berichtet, sind Tränen in den Augen. Wort für Wort wird sein Atem ruhiger und langsam schleichen sich trotz des Grauens kleine Glücksbilder ein. Eine Erinnerung an seinen Vater, der ihm von der Schönheit seiner Mutter erzählt hat, als er sie kennenlernte. Das Spielen mit anderen Kindern, das trotzdem immer sein durfte, seine Lieblingskatze, das Schwimmen im nahegelegenen Teich mit der frischen Liebe.
Bei unserem zweiten Treffen erzählt er, dass er nun öfters Menschen zu sich einlädt und von früher erzählt. Es brauche ja auch andere Menschen, die eigenen Menschen im Haus haben sich seine Geschichte schon viel zu oft anhören müssen. Es würde leichter ums Herz und er erzählt auch das Schöne. Das ermögliche ihm auch, das Beglückende heute zu suchen und auch zu sehen.
Die Geschichten anders erinnern
In einem spannenden Atlas über Happiness findet sich dazu eine Erklärung unter dem Titel Glücksschlüssel. Jonathan Adler beschreibt darin die Möglichkeit, sein Leben zu verändern oder auch zu verbessern, indem ich auch die Erinnerung gestalte und mich aktiver in das Jetzt einbringe. Es geht nicht darum, das Dunkle zu verdrängen, sondern die Phasen und Momente zu sehen, die es auch gut machten.
Genuss, Zufriedenheit und Leistung
Das kluge Buch beschäftigt sich mit Zutaten zur Glücksformel. Ein koreanischer Forscher beschreibt zum Beispiel dazu die drei oben genannten Schlüssel. Ein Mensch, der zu Genuss fähig ist, ein Gleichgewicht zwischen Bedürfnissen und deren Befriedigung erlebt und die Verwirklichung der eigenen Fähigkeiten lebt.
Vom Augenblick zum Lebensgrundgefühl
Ja- das Glück in seinem euphorisierenden Charakter kann ein Momentzustand sein. Es tut gut, wenn ich mir diese Momente bewusst mache und auch dafür dankbar bin.
Und das tiefere Lebensgefühl, ich sorge dafür, dass es mir und meinem Umfeld gut geht, dass es Raum für das Alleinsein und Raum für das Zusammensein gibt, für das Tüchtig sein und das Entspannt sein, dem Traurig sein den notwendigen Raum geben, dass wir auch das Gute sehen, Erfolge feiern und nicht müde werden wie es Hilde Domin so wunderschön beschreibt:
Nicht müde werden und dem Wunder, zart wie einem Vogel die Hand hinhalten.
Verena
25. März 2025
„Aufleben“ hat sich als echte Bereicherung in mein Leben geschlichen! Ein großes Dankeschön!